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16.12.2017 - 04:06
Impressum
Historischer Beruf - Stellmacher
Stellmacher = Wagenbauer
Karl Leßner - Offensen

Der Beruf des Stellmachers kommt aus dem Wagenbau.
Neben den Wagen und den dazugehörigen Wagenaufbauten wurden auch Stiele für die Handwerksgeräte angefertigt.
Siehe auch ... Stellmacherei

Rechts im Bild ist unser ortsansässiger Stellmacher Karl Leßner zu sehen.

Generationsbetrieb
Heinrich Leßner

Seit drei Generationen, von 1918 bis 2016, stellte die Familie Leßner in Offensen noch handgefertigte, hochwertige Stiele aus Eschenholz her.

Begründer Karl Leßner von 1918 bis 1956.
Heinrich Leßner von 1919 bis 1973 (Foto links mit Frau Emilie, geb. Schulze - Heisebeck).
Karl Leßner von 1948 bis heute.

Vor dem 2. Weltkrieg fertigte die Familie Leßner Räder, Wagen und Stiele, danach spezialisierten sie sich auf die Herstellung von Stielen.

Karl Leßner (geb. am 24.12.1933) war bis 2016 der einzigstes Handwerker im Uslarer Land, der dieses alte, ehrwürdige Handwerk noch ausübte. Unterstützung und Hilfe erhielt er durch seine Ehefrau,
Luise Leßner (geb. am 29.04.1940, geb. Rohmann, Rittmarshausen - Göttingen) die noch tatkräftig mithalf.

Einkauf und Lagerung des Rohmaterials
Lagerplatz

Die Stämme wurden nach Besichtigung durch Karl Leßner vor Ort eingekauft.

Bezugsquelle war das Stadtforstamt Göttingen mit seinen Eschenbeständen.

In den Jahren zuvor wurde direkt vom Handel oder bei verschiedenen Realgemeinden eingekauft.

Die großen Stämme wurden mit einem Fuhrunternehmen angeliefert.

Am Holzlagerplatz beim Offensener Maschinenschuppen wurden die Stämme zur weiteren Bearbeitung zwischengelagert.

Lesen
eines Baumstammes
Stamm einer Esche

Je nach Verlauf der Holzfasern und Wuchs der Äste, ergaben sich aus einem Stamm verschiedene Stielarten.

Die Stiele wurden für Schaufeln, Kreuzhacken, Vorschlaghämmern und Besen angefertigt.

Gerade Stämme ohne Äste konnten optimal zu Besenstielen verarbeitet werden.

Schaufelstiele haten auf ihrer gebogenen Länge verschiedenen Dicken. Der Knauf am oberen Ende ist dicker als das Mittelstück. Das unter Ende ist auch dicker als das Mittelstück, verjüngt sich aber zur Aufnahme der Schaufel. Das mußte beim Schnitt beachtet werden.

In den Stielen durften keine Äste verarbeitet werden, da sonst eine Sollbruchstelle entsteht.

Unterschied zur industriellen Massenherstellung!
In einer Fabrik wird der Verlauf der Holzfasern nicht berücksichtigt. Das kann zu Bruchstellen führen.
Bei der Handfertigung ist das weitestgehend ausgeschlossen!

Vorbereitung
Fräsmaschine

Die Stämme am Holzlagerplatz wurden mit der Motorsäge auf die richtige Länge gebracht und zur Werkstatt transportiert.

Dort wurde der Stamm mit einer Motorwinde in die Werkstatt gezogen.

Mit der Bandsäge wurden rechteckige Stäbe gefertigt.

Diese Rohlinge wurden umgehend mit einer Fräsmaschine bearbeitet und in Form gebracht. Hier ist Karl Leßner an der Fräse zu sehen.

Mit der Schleifmaschine wurde das Holz endbehandelt.

Danach mussten die Stiele trocknen.

Handel und Märkte
Karl Leßner 1900

Die Stiele wurden von Baumärkten in der Umgebung Göttingen nachgefragt.

Zwischen 1900 und 1945 wurden die Stiele von Heinrich Leßner (Vater) hauptsächlich an die hiesigen Landwirte verkauft.

Die Zahlungssituation- und moral der Bauern war damals ziemlich schleppend, so dass die Stellmacher generell lange auf Ihr Geld warten mussten.

Nach 1945 wurden die Stiel dann hauptsächlich dem Basaltabbau auf der Bramburg bei Adelebsen angeboten.
Dieser Kunde zahlte bei der Lieferung sofort und die Finanzsituation entspannte sich ein wenig.

Links das Foto wurde um 1940 aufgenommen.
Auf dem Pferd sitzt Karl Leßner jun., daneben steht der namensgleiche Großvater.

Historische Anfertigung
Vor der Anfertigung
Hobel und Zugmesser

nach 1956 wurden die Stiele fast komplett mit der Hand gefertigt.

Die Stämme wurden am Holzlagerplatz mit einer großen Zugsäge auf Länge gebracht.

Die Anschaffung einer elektrisch betriebenen Bandsäge um 1910 erleichterte die Zerteilung der Stämme in Kanthölzern.

An zwei Werkbänken wurden die Kanthölzer mit dem Zugmesser und dem Hobel in Form der benötigten Stiele gebracht.

Der Feinschliff erfolgte mit Schleifblock und Sandpapier.

Pro Stiel wurden für einen Rohling ca. 2 Stunden veranschlagt.

Bis 2016 dauerte der Vorgang mit den auch schon betagten, aber sehr zuverlässig arbeitenden Maschinen ca. 15 Minuten.

Um 1950 wurde eine Kopierfräse angeschafft, die zwei ovale Stiele in einem Arbeitsgang anfertigen kann.

Ende des alterwürdigen Handwerks - 2016
Kopierfräse

Früher gab es fast in jedem Ort des Uslarer Landes einen Stellmacher.

Northeim hatte eine Stellmacherinnung!

Karl und Luise Leßner mußtem dieses alte, ehrwürdige Handwerk im Uslarer Land im Jahre 2016 altersbedingt einstellen.
Somit ist das Handwerk im Uslarer Land ausgestorben.