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23.11.2017 - 21:33
Impressum
Historische landwirtschaftliche Zuchtvereine und Genossenschaften Offensens
Ziegenzuchtverein - Die Historie
Braune Hausziege

Damit nicht jeder Ziegenhalter einen Ziegenbock mit durchfüttern musste, wurden Ziegenzuchtvereine gegründet.

Der älteste Ziegenzuchtverein Deutschlands wurde ca. 1864 - 1874 in Pfungstadt - Südhessen von Justus Ulrich gegründet.

Siehe... Gründung erster Ziegenzuchtverein .

Sinn und Zweck
Weiße Hausziege

war es, die eigene Versorgung mit Milch, Butter, Fleisch, Leder und Käse sicherzustellen.

Meist handelte es sich bei den Tieren um die braune Hausziege .
Vereinzelt gab es auch die weiße Hausziege .

Der Ziegenbock hatte die klassische Aufgabe, die Muttertiere zu decken.

Die Ziegen waren im Oktober bis November böcksche (paarungswillig).
In diesen Monaten musste der Ziegenbock bis zu drei Ziegen paaren.
Bei zwei Monaten machte das 180 Paarungen und mehr.

In dieser Zeit urinierte sich der Ziegenbock nach vorne in seinen Ziegenbart.
Er verbreitete in dieser Zeit einen bestialischen Gestank, der auch den Bewohnern anhaftete.
Oftmals wurde ihm ein so genannter Böckelappen umgehängte, der das Bart - Urinieren verhindern sollte.

Um eine gute Zucht zu erreichen, mussten regelmäßig neue junge Böcke gekauft werden.

Es erfolgte auch ein Austausch der Ziegenböcke mit den benachbarten Orten, damit andere Erbmerkmale mit in die Zucht gelangten.

Die Ziegen bekamen im Januar bis Februar Nachwuchs.
Zu Ostern wurden die Osterlämmer geschlachtet.
Um einen guten Fleischgeschmack zu erzielen, wurden die männlichen Ziegen ausgeschnitten (Kastration = Entfernung der Hoden).
Eine Methode war auch, ein Gummiband stramm über den Hoden zu ziehen.
Nach Wochen fiel das gute Stück einfach ab.

Statuten des Offensener Ziegenzuchtvereins
Protokollbuch 1938

Protokollbücher aus den Jahren 1927 und 1938 sind stille Zeitzeugen.

Da sicherlich auch schon vor diesen Jahren eine Ziegenzucht in Offensen stattfand, kann der Verein auch älter sein.

Aus den Protokollbüchern kann man entnehmen, dass die Mitglieder des Zuchtvereins Beiträge zu entrichten hatten. Im Protokoll für das Jahr 1931 steht, dass der Bockhalter pro Deckung für fremde Ziegen aus Heisebeck und Fürstenhagen 4 Reichsmark erheben sollte. Davon bekam er 50 Pfennig. Das Deckgeld für Nichtmitglieder aus Offensen betrug 5 Reichsmark pro Ziege. Im Verein wurde 10 Pfennig Monatsgeld pro Mitglied und Ziege erhoben. Mitglieder die nicht zur Versammlung erschienen, wurden im Jahr 1933 mit einer Reichsmark bestraft.

Mehr dazu...
Protokoll 1931

Der Rechnungsführer erhielt 10 Reichsmark im Jahr für seine Tätigkeit.

Ein Stallrevisor überwachte im ganzen Jahr die Unterbringung und den Gesundheitszustand des Zuchtziegenbockes.

In dem Jahresprotokoll von 1932 - 1940 steht geschrieben, das sich die Stall- und Rechnungsrevisoren eine halbe Flasche Schnaps auf Vereinskosten genehmigen durften.

Ziegenbockhalter - ein wichtiger Posten
Ziegenherde

Der Posten des Bockhalters musste besetzt werden. Der Verein entlohnte den Bockhalter, damit dieser Posten übernommen wurde.
Die meisten Ziegenhalter hatten dazu aber nicht genug Platz und konnten aus diesem Grund den Posten nicht annehmen.
Dem amtierenden Ziegenbockhalter wurde immer der Ziegenbockweg am Mühlenberg zur Abweidung überlassen. Der Weg verläft parallel zur Heisebecker Landstraße, oben auf dem Mühlenberg.
Auch den Niedernfeldweg bekam der Bockhalter oft dazu. Dieser Weg ist unterhalb der Bahn - Richtung Verliehausen - zu finden und endete in einer Wiese.

Im Jahr 1930 wurde Heinrich Nolte 110 Reichsmark für die Bockhaltung bezahlt.
Im Jahr 1961 erhielt Ehrhard Schaper 400 DM für die Bockhaltung und 50 DM für einen Stallumbau.
Der Bockhalter musste in den paarungswilligen Monaten immer anwesend sein.
Meistens machten das die ältere Generation, die noch mit im Haus lebten, oder die nicht berufstätige Ehefrau.

Wegen der Fütterung der übrigen Ziegen gab es oft Streit, da die Ziegenhalter die Wegesränder zur Weide nutzten.
Heutzutage gibt es wieder Streit, da die Wegränder aus Kostengründen von den Kommunen nicht mehr oder nur noch sporadisch gepflegt werden.
So ändern sich die Zeiten.

Viehzählung
Die im Dezember
Kreisverband 1963

jeden Jahres durchgeführte Viehzählung ergab für das

  • Jahr 1952 - 99 Ziegen
  • Jahr 1953 - 89 Ziegen
  • Jahr 1954 - 91 Ziegen
  • Jahr 1955 - 77 Ziegen
  • Jahr 1956 - 83 Ziegen
  • Jahr 1958 - 66 Ziegen
  • Jahr 1959 - 59 Ziegen
  • Jahr 1960 - 57 Ziegen

Hier handelt es sich ausschließlich um vierbeinige Ziegen.

Erhardt Schaper war der letzte Zuchtbockhalter. Danach wurden die Muttertiere nach Verliehausen zur Begattung gebracht. Das wurde oft mit einem Handwagen bewerkstelligt. Die Ziege wurde auf dem Handwagen vertäut und dann ging die Reise zu Fuß nach Verliehausen.

Überregional gab es noch den Kreisverband Ziegenzüchter Solling.

Im Protokoll von 1968 wurde die zuständige Bockstation für die Offensener Ziegen in Uslar, Unterhütte 23, bei Herrn Hans Müller erwähnt. Im Kreisverband Uslar befanden sich zu der Zeit fünf Böcke für 323 Ziegen. Die Böcke standen in Lödingsen, Bodenfelde, Uslar, Sohlingen und Delliehausen.

Im Jahr 1963 musste an den Kreisverband Solling für 36 Ziegen a 2 DM = 72 DM Gesamtsumme entrichtet werden.

Das letzte Protokoll wurde am 12.09.1970 geschrieben.
Danach wurde der Verein aufgelöst, da mittlerweile künstliche Befruchtung an den Tieren vorgenommen wurde oder die Ziegenhaltung wegen Berufstätigkeit komplett aufgegeben wurde.

Schafzuchtgenossenschaft
Schäfereigenossenschaft in Offensen
Schafe

Neben dem Ziegenzuchtverein gab es noch eine Schäfereigenossenschaft.

Die Schäfereigenossenschaft bestand aus elf Mitgliedern.

Das waren:
Erich Bachler, Karl und Ernst Blumenberg, Karl Otte, Albert Ohm, Heinrich Riepe, Karl Dickhut, Wilhelm Thiele, Albert Ohm (gab es zweimal), Friedrich Wahmke und Albert Müller.

Der größte Schafbesizter war Heinrich Riepe. Der letzte Vorsitzende war Erich Bachler.

Die Genossenschaft hielt einen Zuchtschafsbock vor, der von der Gemeinde angeschafft wurde und sich finanziell tragen musste.

Der Schafsbock wurde meistens bei einer Auktion im westfälischen Borgentreich angeschaft.

Nachts kamen die Schafe in einen Pferch. Jedes Mitglied musste eine Hürde und einen Pfahl zum Bau des Pferchs vorhalten. Die Mitglieder mussten den Schäfer und die Schäferhunde beköstigen.

Die Schafe wurden zwecks Wollgewinnung geschoren. Den weiblichen Lämmern wurde der Schwanz abgeschnitten, so daß nur ein Stummel übrig blieb. Sie wurden in einem Läusebad gebadet, damit sie nicht die Schafsläuse verbreiteten. Es wurde Fußpflege an ihnen vorgenommen.

Die Schafsböcke wurden kastriert und zu Ostern geschlachtet. Osterlämmer!
Zum Dreschen im Späsommer sowie zur Kirmes wurde auch jeweils ein Schaf geschlachtet.

Am dritten Ostertag wurden die Koppelwege verpachtet.
Auf diesem Koppelwege wurde hitzig geboten und es kam oftmals zu Streit.
Der Kirchgrund (Tal zwischen Mühlen- und Lichtenberg) war fest für die Schafzucht vergeben.

Der Schäfer hatte vor dem 2. Weltkrieg einen Einachser, auf dem eine Hütte aufgebaut war.
Nach dem 2. Weltkrieg war es ein Bauwagen, in dem er Schutz fand.

Die letzten drei Schäfer waren:

  • Karl Borchert - Ahlbershausen
  • Georg Bode - Offensen
  • Heinrich Jahn - Verliehausen

Der Verein löste sich in den 1950er Jahren auf.
Bei der Auflösung wurde ein Hammel geschlachtet.

Folgende Zahlen wurden bei der jährlich im Dezember durchgeführten Zählung ermittelt.
Im Jahr

  • Jahr 1952 - 138 Schafe
  • Jahr 1953 - 117 Schafe
  • Jahr 1954 - 105 Schafe
  • Jahr 1955 - 112 Schafe
  • Jahr 1956 - 82 Schafe
  • Jahr 1958 - 36 Schafe
  • Jahr 1959 - 23 Schafe
  • Jahr 1960 - 24 Schafe
Rinderzucht
Bullenzuchtgenossenschaft in Offensen
Bulle

Auch eine Bullenzuchtgenossenschaft gab es in Offensen. Ein Deckbulle wurde von der Gemeinde angeschafft und vorgehalten. Verwaltungsaufsicht hatte der amtierende Bürgermeister. Gezählt wurden im

  • Jahr 1952 - 372 Rindviecher
  • Jahr 1953 - 377 Rindviecher
  • Jahr 1954 - 373 Rindviecher
  • Jahr 1955 - 361 Rindviecher
  • Jahr 1956 - 372 Rindviecher
  • Jahr 1958 - 387 Rindviecher
  • Jahr 1959 - 392 Rindviecher
  • Jahr 1960 - 423 Rindviecher
Entnommen der Dorfchronik von Karl Brümmer.