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23.11.2017 - 21:33
Impressum
In Vergessenheit geraten ist
der Christlicher Arbeiterverein Offensen
Fahne Christlicher Arbeiterverein Offensen

Eine aufgefundene Fahne datiert auf das Jahr 1892.

Das Fahnenweihfest wurde am 19. und 20.05.1902
mit einem Festumzug gefeiert. 02. und 03. Pfingsttag 1902.

Am 06. Juni 1927 fand ein zweitägiges Bundesfest der Sollinger Arbeiter-Bildungsvereine und das 35 jährige Stiftungsfest des Arbeiter Bildungsverein Offensen bei uns in Offensen statt.
Das Fest wurde mit einem Konzert und und einem Festumzug gefeiert.
Hier war schon eine Namensänderung von Christlicher Arbeiterverein auf Christlicher Arbeiter- und Bildungsverein Offensen durchgeführt worden.

Festwirt bei beiden Festen war der örtliche Gastwirt Wilhelm Ahrend. Das ist der Urgroßvater von Michael und Uwe Ahrend.

Hauptaufgabe der Vereine
Fahne Christlicher Arbeiterverein Offensen

war, neben dem Grundgedanken der Arbeiterbewegung, dem dörflichen Leben mit Fahrten und Geselligkeitsveranstaltungen einige Höhepunkte zu bieten.

Konservative und kaisertreue Kirchenvertreter versuchten durch die Bildung der christlichen Arbeitervereine im 19. Jahrhundert die Abwanderung der Arbeiter in die Gewerkschaftsbewegung und den sozialdemokratischen Parteien zu hemmen. Das ist Ihnen im ländlichen Raum auch teilweise gelungen, da die Christlichen Arbeiter- und Bildungsvereine weit verbreitet waren. Hauptsächlich wurde die Bildung der Christlichen Arbeitervereine von der katholischen Kirche initiiert. Bei uns im Raum übernahm diesen Part die evangelische Kirche, da der Katholizismus bei uns nicht weit verbreitet ist.

Mehr dazu...
Die Arbeiterbewegung in Deutschland
oder
Die Arbeiterbewegung

Speziell in unserem ländlichen Raum wie dem Solling und dem Weserbergland rekrutierten sich die Mitglieder aus den einfachen Arbeitern und den Nebenerwerbsbauern. Die meisten Arbeiter waren zu dieser Zeit in der Wald- und Landwirtschaft tätig. Einige auch in der Industrie, wie der Grillkohlefabrik in Bodenfelde oder dem Basaltabbau rund um Adelebsen. Die hauptberuflichen Arbeitgeber waren die Landbesitzer, wie der vorherrschende Adel, die Kirche und die Großbauern. Die Logik der Arbeitgeber verbot, sich die Errungenschaften und den eigenen Lebensunterhalt zu sabotieren. Deshalb war die Vorgehensweise der Kirchen nachvollziehbar, die zu der Zeit die größten Landbesitzer waren und heute noch sind.

Die Arbeitervereine erfuhren in der Zeit des Nationalsozialismuses eine massive Einschränkung, die dazu führte, das sich die Arbeitervereine auflösten oder in Deckung gingen. Der Christlicher Arbeiterverein Offensen verschwand in der Nazizeit vermutlich ab 1933 komplett aus dem Leben der örtlichen Struktur Offensens.

Fazit: Einhundert Jahre später (2010) ist die Dorferinnerung an diesem Verein gänzliche erloschen, geblieben ist die Fahne.

Fundstelle am Lohberg
Die Fahne
Fundort der Fahne

wurde auf dem Boden unter einem Strohhaufen bei Alfred Grote endeckt. Das ist heute das Haus von Matthias Rudolph am Lohberg 3.

Nach dem Fund wurde die Fahne an verschiedenen Stellen im Ort aufbewahrt.

Im Juli 2010 wurde sie dann dem Ortsheimatpfleger Dietmar Wieneke übergeben.

Seit dem 29.07.2010 hängt sie nun im Museum Uslar in der sogenannten Gastwirtschaft.

HNA - Artikel

HNA - historisches_offensen/fotostrecke

Christlicher Arbeiterbildungsverein Offensen
Fahne Christlicher Arbeiterverein Offensen

Um 1860 wurden die ersten Arbeitsbildungsvereine gegründet.
Sie waren nötige, weil die vorherrschenden Bildungseinrichungen für die breiten Volksschichten keine gute Ausbildung bot.
Mehr dazu...
Wissen ist Macht - der erste Arbeiterbildungsverein
oder
Wikipedia - Arbeiterbildungsverein

Eine Recherche am 05.10.2010 im Archiv Uslar ergab für den Christlichen Arbeiterverein und dem Arbeiterbildungsverein Offensen folgendes Resultat.

Am 05.11.1908 gab es eine gemeinsame Initiative zur Vereinigung der Christlichen Arbeitervereine und der Arbeiterbildungsvereine.
Die Versammlung fand am 01.11.1908 in Moringen in der Gaststätte "Felsenkeller" statt. Teilnehmende Arbeitervereine folgender Ortsschaften waren anwesend:
Hardegsen, Lödingsen, Bodenfelde, Offenen, Schoningen, Sohlingen, Wahmbeck, Lippoldsberg, Vernahwahlshausen und Moringen.

Daher könnte es gut sein, das der Christliche Arbeiterverein Offensen nach diesem Datum irgendwann seinen Namen geändert hat in Arbeiterbildungsverein Offensen.
Der große Zusammenschluss ist jedoch in der Zeitungsanzeige vom 29. Mai 1909 nicht zu beobachten.
Hier wurde vom Christlichen Arbeiterverein Sohlingen zu einem "Bundesfest" zum 31.05 - 01.06.1909 eingeladen.
Sohlingen hat demnach noch nicht seinen Namen in Arbeiterbildungsverein geändert.
Auch Wahmbeck feierte vom 01.06 - 02.06.1914 sein Bundesfest unter Christliche Arbeiterverein Wahmbeck.

Am 25.11.1924 wurde noch ein Versuch einer Wiederbelebung des Bundes der Arbeitervereine gestartet. Treffpunkt der Vorstände war Sohlingen. Ein erstes Bundesfest sollte am 19. Juli 1925 in Barterode stattfinden.

Es kann nun spekuliert werden, ob der Zusammenschluss teilweise oder gar nicht zustande kam.
Vielleicht haben einzelne Ortschaften sich zu einem Arbeiterbildungsverein umbenannt.
Hier folgt reine Spekulation.
Tatsache ist:
Für Offensen hat am 06.06.1927 die letzte Erwähnung in der Zeitung stattgefunden.
Ein dem Ortsheimatpfleger vorliegendes Rechnungsbuch erwähnt noch Aus- und Einnahmen im Jahre 1935.
Ein Bollensener Arbeitervereine "Einigkeit" lud am 30. Mai 1929 zu einem 25.jährigen Stiftungsfest ein.
Das war dann bis zum II. Weltkrieg der der letzte Artikel in der Zeitung zu den Arbeitervereinen generell.
Bis auf den Zusammenschlussartikel waren nur die Werbungen zu den einzelnen Festen zu lesen.
Mehr wurde in der Zeitung - Sollinger Nachricht - nicht berichtet!

Mehr Bilder in der zugehörigen Fotoshow...
Christlicher Arbeiterverein